Wie behandelt der orthodoxe Islam die Andersgläubigen?



Zusammenfassung: im orthodoxen Islam ist die Welt in zwei Teilen gegliedert: das "Dar-Al-Harb" (Haus des Krieges) und das "Dar-Al-Islam" (Has des Islams). Die Länder des Dar-Al-Harbs sind die jenigen, in denen die Regierung islamisch ist, und die Scharia anwendet. Diese Länder sollen zuerst die "ungläubigen" Nachbarländer zum Islam einladen. Wenn die nicht-islamischen Länder den orthodoxen Islam annehmen, und das islamische Gesetzt anwenden, passiert nichts. Wenn sie aber ablehnen, wird ihnen der Krieg erklärt, insofern es technisch möglich ist. Der Krieg dauert solange, bis das "ungläubige" Land besiegt ist, danach wird die Scharia dort eingeführt. Nach diesem Gesetzt sind manche nicht-Muslime in einem islamischen Staat toleriert; nach der überwiegenden Meinung handelt es sich um die Christen, die Juden, die Zoroastren und die Saabier. Wenn sie ruhig und still bleiben, wenn sie die mit ihrem "Dhimmi-Status" verbundenen Diskriminierungen und Demutigungen akzeptieren, wenn sie darauf verzichten, Werbung für ihren dem orthodoxen Islam widersprüchligen Glauben zu machen, dann können sie im Dar-Al-Islam in Frieden leben. Diese tolerierten nicht-Muslime gehören zum Rest der Bevölkerung, für den noch keiner seiner Vorfahren seit der islamischen Eroberung Muslim wurde: in einem islamischen Staat wird nämlich der Austrit aus dem Islam durch die Todesstrafe bestraft, und die Kinder der Muslime sind Muslime.


Nach dem orthodowen Islam hat sich Mohammeds Botschaft bezüglich der "Ungläubigen" mit der Zeit verändert. Als die Muslime schwach waren, stand die Toleranz auf der Tagesordnung: "In der Religion gibt es keinen Zwang" (Koran 2:256), "Debattiert mit den Schriftbesitzern nur auf die beste, weiseste Art" (Koran 29:46); die Christen, die Juden und die Saabier gehen alle ins Paradies nach dem Tod (Koran 2:62, 5:69 und 22:17). Die erste medinische Verfassung stellt kein Problem dar. Später aber ging es schief. Zuerst durften sich Mohammeds Apostel verteidigen, was an sich ganz normal ist. Aber je nachdem, was man "Verteidigung" nennt. Ich meine, man kann meiner Meinung nach den Angriff der mekkanischen Karawanen nicht rechtfertigen, wenn man weiß, was das bedeutete. Dann werden die Gesetzte strenger. Die letzten Vorschriften ersetzen die vorherigen.

Die 9. Sure ist eine der letzen "offenbarten" Suren. Die seltenen später "offenbarten" Verse befassen sich mit einem anderen Thema. Die 9. Sure sei eine Wende in Mohammeds Geschichte gewesen. Ich verwende lieber das Konditionnal, weil sie unklar ist, und man sowohl eine Sache als auch ihren Gegenteil verstehen kann. Der globale Ton ist wie in einem grossen Teil des Korans weit davon entfernt, den Frieden und die Liebe gegenüber Andersdenkenden auszustrahlen, aber es ist möglich, diese Sure anders als die orthodoxen Muslime zu interpretieren, was insbesondere die "nur-Koran Muslime" tun. Aber daneben gibt es Muslime, die die Sachen so wie in meiner Zusammenfassung ganz am Anfang dieses Artikels sehen, und dies entspricht einer konkreten Wahrheit für viele Leute, hauptsächlich in den strengsten muslimischen Ländern, die die Auswirkungen dieser perversen Theologie erleiden. Man soll die Existenz und die Gefahr dieser Religion, die ich als "orthodoxen Islam" bezeichne, auf die ich aber nicht "den Islam" allgemein reduziere, nicht verneinen. Ich selbst habe früher gesagt, dass "der Islam" ist. Ich muss darauf hinweisen, dass die meisten praktizierenden Muslime (Imam oder nicht), die ich im Rahmen meiner Untersuchungen getroffen, an die ich Fragen gestellt hatte, zu dieser Strömung gehörten. Und analogisch zu den evangelikalen Protestanten nannten sich diese orthodoxen Muslime weder sunnitisch, noch schiitisch, noch salafist, etc..., nein, sie bezeichneten sich als einfache Muslime, die einfach dem Koran und der Sunna folgen, im Gegensatz zu den anderen Muslimen, die eine schlechte Kenntnis des Korans und/oder nicht viel Interesse für die Religion hätten, und/oder zuviel von den "westlichen" Werten beeinflusst wären, um den Inhalt des Islams zu akzeptieren, etc...


Zuerst: hier die Meinung der juristischen Rechtsschulen zum Krieg


Die Verse, mit denen wir uns befassen werden, sind Koran 9:1-7

Eine Lossprechung Allahs und Seines Gesandten (von jeglicher Verpflichtung) gegenüber den Götzendienern, denen ihr etwas versprochen habt. So zieht denn vier Monate lang im Lande umher und wisset, daß ihr Allahs (Plan) nicht zuschanden machen könnt und daß Allah die Ungläubigen demütigen wird. Und eine Ankündigung von Allah und Seinem Gesandten an die Menschen am Tage der Großen Pilgerfahrt, daß Allah los und ledig ist der Götzendiener, und ebenso Sein Gesandter. Bereut ihr also, so wird das besser für euch sein; kehrt ihr euch jedoch ab, dann wisset, daß ihr Allahs (Plan) nicht zuschanden machen könnt. Und verheiße schmerzliche Strafe denen, die ungläubig sind. Mit Ausnahme jener Götzendiener, mit denen ihr einen Vertrag eingegangen seid und die es euch nicht an etwas haben gebrechen lassen und nicht andere wider euch unterstützt haben. Diesen gegenüber haltet den Vertrag, bis zum Ablauf der Frist. Wahrlich, Allah liebt die Gerechten. Und wenn die verbotenen Monate verfloßen sind, dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, und belagert sie, und lauert ihnen auf in jedem Hinterhalt. Bereuen sie aber und verrichten das Gebet und zahlen die Zakat, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist allverzeihend, barmherzig. Und wenn einer der Götzendiener bei dir Schutz sucht, dann gewähre ihm Schutz, bis er Allahs Wort vernehmen kann; hierauf lasse ihn die Stätte seiner Sicherheit erreichen. Dies weil sie ein unwissendes Volk sind. Wie kann es einen Vertrag geben zwischen den Götzendienern und Allah und Seinem Gesandten, die allein ausgenommen, mit denen ihr bei der Heiligen Moschee ein Bündnis einginget? Solange diese euch treu bleiben, haltet ihnen die Treue. Wahrlich, Allah liebt die Redlichen.

und Koran 9:28-33

O die ihr glaubt! wahrlich, die Götzendiener sind unrein. Drum sollen sie nach diesem ihrem Jahr sich der Heiligen Moschee nicht nähern. Und falls ihr Armut befürchtet, so wird euch Allah gewiß aus Seiner Fülle reich machen, wenn Er will. Wahrlich, Allah ist allwissend, allweise. Kämpfet wider diejenigen aus dem Volk der Schrift, die nicht an Allah und an den Jüngsten Tag glauben und die nicht als unerlaubt erachten, was Allah und Sein Gesandter als unerlaubt erklärt haben, und die nicht dem wahren Bekenntnis folgen, bis sie aus freien Stücken den Tribut entrichten und ihre Unterwerfung anerkennen. Die Juden sagen, Esra sei Allahs Sohn, und die Christen sagen, der Messias sei Allahs Sohn. Das ist das Wort ihres Mundes. Sie ahmen die Rede derer nach, die vordem ungläubig waren. Allahs Fluch über sie! Wie sind sie irregeleitet! Sie haben sich ihre Schriftgelehrten und Mönche zu Herren genommen neben Allah und den Messias, den Sohn der Maria. Und doch war ihnen geboten, allein den Einigen Gott anzubeten. Es ist kein Gott außer Ihm. Allzu heilig ist Er für das, was sie (Ihm) zur Seite stellen! Sie möchten gern Allahs Licht auslöschen mit ihrem Munde; jedoch Allah will nichts anderes, als Sein Licht vollkommen machen, mag es den Ungläubigen auch zuwider sein. Er ist es, Der Seinen Gesandten geschickt hat mit der Führung und dem wahren Glauben, auf daß Er ihn obsiegen lasse über alle (andern) Glaubensbekenntnisse, mag es den Götzendienern auch zuwider sein.

Die Verse kann man hier nach mehreren Übersetzungen lesen


Hier die Übersetzung von Ibn Kathirs Tafsir (Interpretation) zum Vers 9:5 (dem "Vers des Schwertes"):

This is the Ayah of the Sword

Mujahid, `Amr bin Shu`ayb, Muhammad bin Ishaq, Qatadah, As-Suddi and `Abdur-Rahman bin Zayd bin Aslam said that the four months mentioned in this Ayah are the four-month grace period mentioned in the earlier Ayah,
(So travel freely for four months throughout the land.) Allah said next,
(So when the Sacred Months have passed...), meaning, `Upon the end of the four months during which We prohibited you from fighting the idolators, and which is the grace period We gave them, then fight and kill the idolators wherever you may find them.' Allah's statement next,
(then fight the Mushrikin wherever you find them), means, on the earth in general, except for the Sacred Area, for Allah said,
(And fight not with them at Al-Masjid Al-Haram, unless they fight you there. But if they attack you, then fight them. )[2:191] Allah said here,
(and capture them), executing some and keeping some as prisoners,
(and besiege them, and lie in wait for them in each and every ambush), do not wait until you find them. Rather, seek and besiege them in their areas and forts, gather intelligence about them in the various roads and fairways so that what is made wide looks ever smaller to them. This way, they will have no choice, but to die or embrace Islam,
(But if they repent and perform the Salah, and give the Zakah, then leave their way free. Verily, Allah is Oft-Forgiving, Most Merciful.) Abu Bakr As-Siddiq used this and other honorable Ayat as proof for fighting those who refrained from paying the Zakah. These Ayat allowed fighting people unless, and until, they embrace Islam and implement its rulings and obligations. Allah mentioned the most important aspects of Islam here, including what is less important. Surely, the highest elements of Islam after the Two Testimonials, are the prayer, which is the right of Allah, the Exalted and Ever High, then the Zakah, which benefits the poor and needy. These are the most honorable acts that creatures perform, and this is why Allah often mentions the prayer and Zakah together. In the Two Sahihs, it is recorded that Ibn `Umar said that the Messenger of Allah said,
(I have been commanded to fight the people until they testify that there is no deity worthy of worship except Allah and that Muhammad is the Messenger of Allah, establish the prayer and pay the Zakah.) This honorable Ayah (9:5) was called the Ayah of the Sword, about which Ad-Dahhak bin Muzahim said, "It abrogated every agreement of peace between the Prophet and any idolator, every treaty, and every term.'' Al-`Awfi said that Ibn `Abbas commented: "No idolator had any more treaty or promise of safety ever since Surah Bara'ah was revealed. The four months, in addition to, all peace treaties conducted before Bara'ah was revealed and announced had ended by the tenth of the month of Rabi` Al-Akhir.''


Ibn Kathirs Tafsir zu dieser Sure befindet sich hier.
Auszüge von anderen Tafsirs zur 9. Sure sind hier zu finden.


Der 29. Vers der 9. Sure heisst der "Vers der Dimma". Nach dem orthodoxen Islam wird durch ihn der besondere Status für Juden und Christen in einem islamischen Statt eingeführt. Die Referenz für diesen Status ist der Kodex Omar

Nach diesem Kodex dürfen die Christen und Juden keine politischen Ämter bekleiden oder Muslimen als Dienstboten beschäftigen. Auch ist es ihnen verboten, Waffen zu tragen und Pferde zu reiten; sie dürfen keine neuen Gotteshäuser bauen und in der Öffentlichkeit keine religiösen Feiern abhalten. Es ist ihnen auch nicht gestattet, Bekehrungen vorzunehmen. Genaue Kleidervorschriften sollen darüber hinaus Nichtmuslime von der übrigen Bevölkerung unterscheiden; Juden sollen als Erkennungszeichen gelbe Flicken an ihren Ärmeln tragen, Christen dagegen einen dunkelblauen Flicken. All diese diskriminierende Gesetzte gelten nur für das "Volk der Schriften". Die Ungläubigen, die nicht zum "Volk der Schriften" gehören, werden getötet.


Ein wichtiger Punkt ist der Unterschied zwischen den einzelnen Briefen, die Mohammed an mehrere Könige während Hodeybias Vertrag geschickt habe, um sie zum Islam einzuladen.

Hier der Brief von Mohammed an die Julandas Brüder (an das omanische Volk), der von 'Amr bin al-'As al-Sahmi und Abu Zaid al-Ansari getragen worden sei (das Bild links ist eine Darstellung vom Originale auf arabisch):

""Peace be upon the one who follows the right path! I call you to Islam. Accept my call, and you shall be unharmed. I am God's Messenger to mankind, and the word shall be carried out upon the miscreants. If, therefore, you recognize Islam, I shall bestow power upon you. But if you refuse to accept Islam, your power shall vanish, my horses shall camp on the expanse of your territory and my prophecy shall prevail in your kingdom."

Wie man sehen kann, ist der Brief an das omanische Volk eine Erpressung: entweder nehmen sie Mohammeds Religion an, oder wird ihnen der Krieg erklärt.

Die Briefe an die mächtigen und starken Könige vom byzantinischen Reich und Persien enthalten hingegen keine bedingte Kriegserklärung. Hier ist der Brief an Heraklius, Kaiser vom byzantinischen Reich (das Bild unten ist das Original in arabischer Sprache):


"Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von Muhammad, dem Diener Allahs, an Heraklius, den Imperator Roms. Friede sei mit dem, der der Rechtleitung folgt. Ich lade dich zur Religion des Islam ein: Werde Muslim, dann bist du sicher, und Allah gibt dir doppelten Lohn; wenn du dich aber abwendest, so lastet auf dir die Sünde deiner Untergebenen.

'0 Volk der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch: daß wir niemandem dienen außer Allah und IHM nichts beigesellen und daß nicht die einen von uns die anderen als Herren annehmen anstelle Allahs. Doch wenn sie sich abwenden, so sagt: Bezeugt, daß wir Muslime sind.' (3, V. 64)"


Der Brief an den Kaiser von Persien ist ähnlich, und er enthält keine Kriegserklärung. Doch wurden diese beiden Reiche später angegriffen. Nach den orthodoxen Muslimen musste es so sein, nachdem die Muslime stark genug geworden wären. Die Einladungen zum Islam an Heraklius und den persischen Kaiser waren wie die an das omanische Volk bedingte Kriegserklärungen, auch wenn es diesmal nicht explizit im Text steht: Mohammed habe nicht damals militarisch viel zu starke Reiche provozieren wollen. Die kriegerischen Absichten der neuen Religion seien ihnen erst bekannt gegeben, nachdem die Muslime inzwischen stark genug geworden waren. Ribhi ibn Amir und andere Apostel Mohammeds hätten die Ziele des Jihads bei der Schlacht von Qadissiyya zusamengefasst, sie antworteten dem Chef der persischen Armee, der die Muslime drei Tage lang gefragt habe, warum sie Persien angreifen wollten.

“What is this that you have brought?” The answer came: “Allaah has sent us to bring forth whomsoever He wills from the worship of people to the worship of Allaah alone, from the hardship of this world to its ease, from the injustice of other religions to the justice of Islam. He sent His Messenger with His religion to His creation. Whoever accepts it from us, we will accept it from him and will go back; we will leave him and his land alone. Whoever refuses, we will fight him until we end up in Paradise or in victory.


Das ist ein Beispiel von "Takia", oder Verheimlichung, damit der orthodoxe Islam gewinnt. Die Fundamentalisten glauben, dass sie die "Ungläubigen" belügen dürfen, um sie durch die Täuschung und die Verheimlichung zu besiegen (nach "authentischen" Hadiths sei die Lüge in drei Fallen erlaubt, und der Krieg ist einer dieser Fälle). Das macht alles komplizierter, und man soll das nicht aus den Augen verlieren. Manche Fundamentalisten spielen die gemässigten Muslime, aber sie stimmen dem Inhalt des orthodoxen Islams. Das ist zum Beispiel der Fall für den Gelehrten Hamidullah, den Übersetzer der am meisten verbreitete französische Übersetzung des Korans. In seinem Buch "Einführung zum Islam" für Leute, die den Islam entdecken wollen, lügt er zwei über die Übersetzung des Verses 47:35, obwohl er den Vers in seiner offiziellen Übersetzung gut übersetzt. Daneben benutzt er als "aufgehoben" geltende Koranverse und verschiedene Hadiths und Koranverse, die zur Toleranz (nach den orthodox islamischen Kriterien) gegenüber den Dimmis aufrufen, die allein betrachtet für einen ausschliesslich toleranten Islam sprechen würden (wie unsere Gesellschaft es heute versteht), die aber ganz gut zur Logik der orthodoxen Muslime passen. Das stimmt: nachdem ein "ungläubiges" Land erobert worden ist, damit das islamische Gesetz dort angewendet wird, mit allem, was das für die Christen, Juden und anderen bedeutet, dann ist das verboten, einen Dimmi ohne Grund umzubringen, und allgemein ihm böse Sachen anzutun, das vom Dimmi-Vertrag verboten sind. Immerhin ist der Dimmi-Status sehr diskriminierend, und nach der überwiegenden Meinung haben nicht mal alle religiösen Gruppen das "Glück", als Dimmi toleriert zu werden. Hamidullah verschweigt alles, was störend ist, und er stellt eine Religion vor, die auf klaren und eindeutigen Quellen basiert, derer einstimmigen Interpretation der Frieden und die Toleranz gegenüber allen religiösen Gruppen sei. Aber um zu dieser Meinung zu kommen, muss er den orthodoxen Islam ablehnen, und die Quellen, die er verschwiegen hat, als irrelevant bezeichnen.


Die muslimische Website Islam Q&A verbreitet die fundamentalistische Botschaft, von der ich ich spreche. Hier ein Artikel darüber.




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